Générale von Sonja Kersten

  • Abschiede
    Lieber General
     
    Als ich dich damals als 5jährigen bei deiner Züchterin das erste Mal gesehen hatte ,war ich sofort in dich verliebt.
    Du hattest gerade dein Herrchen verloren und suchtest ein neues Zuhause .
    Durch Zufall habe ich davon erfahren und Kind und Kegel eingepackt und völlig ungeplant zu dir hoch in die Heide
    gefahren.
    Da warst du. Als du dich dann noch ganz gemütlich zwischen meine beiden damals 3 und 2 Jahre alten Mädels gesetzt hast
    war mir klar,das dein Platz in unserer Familie ist.
    General ich habe nicht einen Tag bereut. Auch wenn wir uns erst finden mussten,denn eine völlig neue Umgebung ,plötzlich
    eine große Familie und immer Trubel, das war auch für dich nicht einfach.
    Aber wir sind zusammengewachsen.
    Im Lauf der Jahre wurden wir ein eingespieltes Team . Du brauchtest keine Kommandos . Zwischen uns herrschte Gedankenübertragung.
    Du wusstest automatisch was ich dachte und wollte und umgekehrt war es genauso.
    Zwischen uns war dieses Band ,wie man es nicht oft findet.
    Das größte Geschenk das ein Hund einem Menschen geben kann,ist neben seiner unerschütterlichen Treue und Liebe , seine Hilfe anzubieten.
    Ich weiß nicht warum und wie du das geschafft hast,aber du hast ohne es jemals gelernt zu haben absolut zuverlässig jeden der epileptischen
    Anfälle von unserer Ann-Kathrin gemeldet. Und ihr damit wohl auch einige Male das Leben gerettet.
    General du warst immer present. Da wo du warst war auch ich und umgekehrt.
    Du hast Ann-Kathrin treu am Rollstuhl begleitet und dir die Geheimnisse und Sorgen und den neusten Musikstil der Kinder angehört.
    An Fasching warst du Prinz oder Elfe . Weihnachten warst du unser Rudolf und ich weiß noch wie wir uns mit unseren Hörnern zum Affen gemacht haben .
    Du warst unser allerbester Freund .
    Niemals habe ich einen sanftmütigeren Hund als dich kennengelernt .
    Als in 2012 die kleine Ungarin aus dem Tierheim zu uns kam,war es für dich überhaupt keine Frage. Du hast sie unter deine Fittiche genommen und ihr gezeigt
    wie das Leben hier so in der Familie und in Deutschland überhaupt funktioniert. Ohne dich ,wäre Emmi heute nicht das was sie ist. Sie vermisst dich ganz schrecklich .
    Dann musstest du einen schweren Schlag verkraften. Deine beste Freundin ,die Labbihündin meiner Mum musste eingeschläfert werden.
    Ich glaube das hat dir dein Herz gebrochen. Nach dieser Zeit wurdest du krank. Du warst einfach nicht mehr derselbe Hund. Natürlich kommen im Alter die Zipperlein ,aber
    ürplötzlich tauchten Erkrankungen auf,die für mich nicht wirklich erklärbar waren. Es gab ein ständiges auf und ab. Dann kam noch diese fürchterliche Umweltallergie dazu.
    Viele Tieärzte haben wir "verbraucht" bis wir Anfang des Jahres endlich "unseren" gefunden haben. Er hat dich wieder auf die Beine gebracht und alles war plötzlich wieder schön.
    Natürlich wollten die Beine nicht mehr so schnell wie früher und die Ohren hörten nicht mehr so gut und du hast sehr sehr viel geschlafen.
    Im April zog die kleine Labradorhündin Olivia bei uns ein. Olivia sollte alle diese Dinge von dir lernen die du Emmi gelernt hast um dich bei Ann-Kathrin und unserer Oma zu unterstützen.
    Auch Olivia hast du sofort angenommen und ihr ihren Platz gezeigt . Nun muss sie allein klar kommen ,und ich bin mir nicht sicher ob ich das allein mit ihr schaffe.
    Lieber General ,vor 5 Wochen verstarb ganz plötzlich unsere Oma ,meine Mutter . Das war hart für dich,für uns alle,da du ihr oft Gesellschaft geleistet hast,wenn es dir bei uns unten einfach
    zu laut wurde . Dann ging es zu Oma ins Wohnzimmer und es wurde Fernseh geschaut .
    In den letzten 5 Wochen waren wir alle von Trauer zerfressen ,aber wir hatten uns....
    Gestern hattest du plötzlich Gleichgewichtsstörungen . Du bist umgefallen ,auch wenn ich dich wieder auf die Beine bekommen hatte,warst du plötzlich orientierungslos . Du konntest nicht mehr
    zuordnen wo ich war und als ich direkt vor dir stand ging dein Blick ins Leere.
    Unser lieber Tierarzt wohnt nur 5 Minuten entfernt , und trotzdem hat es nicht mehr gereicht . Du bist einfach in seiner Praxis gestorben. Bevor du gegangen bist,hast du mich noch einmal mit einem
    ganz langen Blick aus deinen wunderschönen dunklen Augen angeschaut. Ich konnte darin unser gemeinsames Leben sehen . Die Liebe und das Glück.
    Mein geliebter Hund,ich werde dich niemals vergessen. Es wird niemals wieder einen Hund wie dich geben. Du bist tief in meinem Herzen und mit dir ist auch ein Teil von mir gegangen.
    Du hast jetzt einen wunderschönen Platz bei uns im Garten unter dem Apfelbaum .
    Wie es nun weitergehen soll ,das weiß ich nicht. Du fehlst mir . Du warst immer da .
    Machs gut mein geliebter Freund. Ich bin mir sicher. Einmal sehen wir uns wieder "